In der Schweiz sprechen wir offen über Politik, Religion und sogar den Tod. Aber erwähnen Sie Ihr Gehalt auf einer Dinnerparty, und beobachten Sie, wie die Stimmung gefriert. Das Schweigen rund ums Geld ist keine blosse Kulturbesonderheit – es ist ein psychologisches Phänomen, das uns in unserem finanziellen Wohlbefinden, in unseren Beziehungen und in unserer persönlichen Entwicklung teuer zu stehen kommt.
Als Money Coach in Zurich, die mit Frauen aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz arbeitet, habe ich gesehen, wie dieses Schweigen wirkt. Es geht nicht nur um Privatsphäre. Es geht um Scham, um Vergleiche und um die tief verwurzelte Überzeugung, dass Geldgespräche vulgär sind.
Der wahre Preis des Schweigens
Preis 1: Frauen bleiben länger finanziell abhängig
In einem Land, in dem 20 % der Frauen nach der Geburt eines Kindes Teilzeit arbeiten und die Rentenlücke bei Frauen im Durchschnitt 37 % beträgt, hat die Unfähigkeit, offen über Geld zu sprechen, weitreichende Folgen. Frauen fragen ihre Partner nicht nach den gemeinsamen Finanzen, weil es sich aufdringlich anfühlt. Sie sprechen keine Gehaltsthemen mit Kolleginnen an, weil es unangemessen wirkt. Sie suchen keine Finanzberatung, weil das Eingestehen von Unwissenheit beschämend erscheint.
Das Ergebnis? Viele Schweizer Frauen erreichen das Rentenalter mit deutlich weniger, als sie benötigen – nach Jahrzehnten im finanziellen Schweigen.
Preis 2: Die seelische Gesundheit leidet im Verborgenen
Geldangst gehört zu den häufigsten Stressursachen in der Schweiz und bleibt dennoch unsichtbar. In meiner Coaching-Praxis schildern Frauen, wie sie jahrelang nachts wach lagen, jahrelang ein flaues Gefühl im Magen hatten, wenn Rechnungen ins Haus kamen, jahrelang in geselligen Runden lächelten, während sie innerlich rechneten, ob sie sich die Einladung überhaupt leisten konnten.
Sie tragen das allein, weil die Schweizer Kultur keinen akzeptierten Raum bietet, in dem finanzielle Verletzlichkeit geteilt werden darf. „Diskretion" gilt als Tugend. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Diskretion und Isolation.
Preis 3: Generationenmuster bleiben ungeprüft
Wenn über Geld nie gesprochen wird, werden finanzielle Muster von Generation zu Generation weitergegeben, ohne je hinterfragt zu werden. Die Grossmutter, die Bargeld unter der Matratze versteckte. Die Mutter, die ihren Mann alles regeln liess. Die Tochter, die CHF 150.000 verdient und trotzdem das Gefühl hat, sich keine Investitionen leisten zu können. Jede Generation erbt das Schweigen zusammen mit der Angst.
Warum die Schweiz besonders ist
Das Schweizer Schweigen rund ums Geld hat spezifische kulturelle Wurzeln, die es besonders hartnäckig machen:
- Die Tradition des Bankgeheimnisses: Die Schweiz hat ihre Identität auf finanzieller Diskretion aufgebaut. Diese berufliche Ethik ist in die persönliche Kultur eingedrungen.
- Bescheidenheit als Tugend: „Zeig nicht, was du hast" ist in der Schweiz beinahe ein Gebot. Wohlstand ist akzeptabel; ihn zur Schau zu stellen, nicht.
- Das Vermeiden von Vergleichen: In einem Land mit einem der höchsten Lebenshaltungskosten der Welt und erheblichen Einkommensunterschieden zwischen den Kantonen sind Gehaltsgespräche stark aufgeladen.
- Die Komplexität des Expat-Lebens: Für die internationale Gemeinschaft in Zurich, Genf und Basel werden Gespräche über Geld zusätzlich erschwert durch unterschiedliche Währungen, Steuersysteme und kulturelle Erwartungen.
Das Schweigen sicher durchbrechen
Ich schlage nicht vor, dass wir damit beginnen, unsere Gehälter bei Migros zu besprechen. Aber ich bin überzeugt, dass das gegenwärtige Mass an Schweigen uns schadet – und dass es einen Mittelweg gibt zwischen dem öffentlichen Bekanntgeben des Kontostands und dem stillen Leiden.
Was ich als wirksam erlebt habe:
- Beginnen Sie bei sich selbst. Bevor Sie mit anderen über Geld sprechen können, müssen Sie ehrlich mit sich selbst sprechen. Was empfinden Sie wirklich in Bezug auf Ihre finanzielle Situation? Nicht was Sie empfinden sollten – sondern was Sie tatsächlich empfinden.
- Finden Sie eine vertraute Person. Noch keine Finanzberaterin. Eine Freundin, eine Coach, eine Partnerin. Jemanden, der Ihre finanzielle Wahrheit halten kann, ohne zu urteilen.
- Nutzen Sie einen Rahmen. Dafür habe ich The Deal entwickelt – es bietet Menschen einen strukturierten, spielerischen Weg, ihre Geldmuster zu erkunden, ohne die rohe Verletzlichkeit eines „Lassen Sie mich Ihnen von meinen Schulden erzählen."
- Normalisieren Sie das Gespräch. Jedes Mal, wenn Sie Geld ganz natürlich erwähnen – „Dafür spare ich gerade", „Dafür habe ich mich bewusst gegen eine Ausgabe entschieden" – tragen Sie dazu bei, das Tabu für alle in Ihrer Umgebung ein Stück weit aufzulösen.
Die Perspektive einer Schweizer Money Coach
Ich bin aus Südafrika in die Schweiz gezogen, wo über Geld anders gesprochen wurde – nicht unbedingt besser, aber anders. Diese Aussenperspektive hat sich in meiner Coaching-Praxis als unschätzbar wertvoll erwiesen. Ich kann das Schweizer Schweigen von aussen betrachten – und das bedeutet, dass ich meinen Klientinnen helfen kann, es ebenfalls zu sehen.
Die Frauen, mit denen ich arbeite, sind nicht finanziell inkompetent. Sie sind zum Schweigen gebracht worden. Und zwischen diesen beiden Dingen liegen Welten. Kompetenz lässt sich in einem Wochenendseminar vermitteln. Ein kulturelles Schweigen zu durchbrechen erfordert Mitgefühl, Mut und Gemeinschaft.
Beginnen Sie Ihren Weg
Möchten Sie Ihr eigenes Schweigen rund ums Geld durchbrechen? Spielen Sie The Deal – ein geschützter, druckfreier Weg, Ihre Geldmuster zu erkunden. Oder buchen Sie ein unverbindliches Kennenlerngespräch – manchmal ist das Kraftvollste, was Sie tun können, Ihre finanzielle Wahrheit einfach laut auszusprechen, vor jemandem, der Sie dafür nicht beurteilt.
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